Erinnerung verpflichtet: Inda-Gymnasium geht Bildungspartnerschaft mit Vogelsang IP ein

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Aachen/Schleiden. Ein kühler Morgen im Nationalpark Eifel, Nebel über den Hängen, dann der erste Blick auf die massigen Gebäude von Vogelsang – für viele Kolleginnen und Kollegen des Inda-Gymnasiums ein Moment, der nachwirkte. Wo einst junge Männer im Geist des Nationalsozialismus geschult wurden, setzt die Schule heute ein Zeichen für Erinnerung, Demokratie und Zivilcourage: Im Rahmen eines gemeinsamen Ausflugs zur ehemaligen „NS-Ordensburg“ hat das Kollegium eine langfristige Kooperationsvereinbarung mit der Vogelsang IP gemeinnützige GmbH unterzeichnet.

Ein Ort mit schwerer Geschichte
Zwischen 1936 und 1939 wurden in Vogelsang erwachsene Männer ideologisch geschult, die im Zweiten Weltkrieg maßgeblich am organisierten Massenmord beteiligt waren. Während des Krieges beherbergte die Anlage zudem drei „Adolf-Hitler-Schulen“, in denen bereits Jugendliche gezielt auf Führungsaufgaben im nationalsozialistischen Staat vorbereitet wurden. Heute ist der Ort ein Lern- und Erinnerungsort, der genau diese Geschichte kritisch aufarbeitet. Wer durch die langen Flure und die einstigen Schulungsräume geht, spürt schnell: Die Wucht der Architektur – monumental, kalt, auf Einschüchterung angelegt – erzählt selbst schon eine Geschichte, bevor überhaupt ein Wort dazu fällt.

Führungen in Wollseifen und auf der Burg
Im Rahmen mehrerer Führungen erkundeten die Lehrkräfte sowohl die ehemalige Ordensburg als auch die nahegelegene, heute nur noch an Fundamentresten und Wegspuren im Wald erkennbare Siedlung Wollseifen. Gerade dieser stille, fast unscheinbare Ort berührte viele besonders: Wo einmal Familien lebten, wächst heute Gras über die Grundmauern, und die Vorstellung vom Alltag der früheren Bewohner stand plötzlich sehr greifbar im Raum. In den Gesprächen danach – noch mit festem Schuhwerk und dem Geruch von feuchtem Laub in der Kleidung – diskutierten die Fachgruppen angeregt, wie sich diese Eindrücke und die Angebote des Erinnerungsortes an den Unterricht anbinden lassen, etwa in Geschichte, Sozialwissenschaften oder Religion. Der unmittelbare Kontakt mit dem historischen Ort macht auf eine Weise erfahrbar, wie eng die eigene Region mit der NS-Vergangenheit verwoben ist, wie es kein Text und kein Bild im Klassenraum je könnte.

Gemeinsamer Rundgang über das Gelände

Gelebtes Engagement gegen Rassismus und für Zivilcourage
Für das Inda-Gymnasium, das sich als Schule gegen Rassismus und mit Courage versteht, fügt sich die neue Partnerschaft nahtlos in das eigene Selbstverständnis ein. Mehrere Kolleginnen und Kollegen beschrieben im Nachgang, wie sehr sie der Besuch nachdenklich gemacht habe – nicht als abstrakte Geschichtsstunde, sondern als sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie schnell Zivilisation kippen kann und wie wichtig es ist, im Kleinen Haltung zu zeigen. Genau diese Betroffenheit, so waren sich viele einig, wollen sie mit in ihre Klassen tragen. Die Auseinandersetzung mit historischem Unrecht schärft den Blick für gegenwärtige Formen von Ausgrenzung und ermutigt junge Menschen, selbst Position zu beziehen.

Was die Partnerschaft konkret bringt:
Die zunächst auf zwei Jahre angelegte, verlängerbare Vereinbarung sieht unter anderem vor:
● einen jährlichen Studien- oder Projekttag bzw. dialogische Schulklassenführungen
● curriculare Einbindung in mehreren Fächern sowie Verankerung im Schulprogramm
● Beratung bei Facharbeiten und Projektkursen
● Unterstützung bei Wettbewerben wie „denkmal aktiv“
● Praktikumsmöglichkeiten sowie Infos zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ)
● forschend-entdeckendes Lernen im Archiv Vogelsang

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung

Ein Gewinn für die gesamte Schulgemeinde
Als die Unterschriften schließlich gesetzt waren, lag über der Runde eine spürbare Ruhe – weniger Feierlaune als das gemeinsame Gefühl, gerade etwas Bedeutsames auf den Weg gebracht zu haben. Mit der Unterzeichnung setzt das Inda-Gymnasium ein deutliches Zeichen: Erinnerungskultur ist keine Pflichtübung, sondern gelebte Praxis – getragen von Lehrkräften, die den Ort mit eigenen Augen gesehen haben und ihre Eindrücke nun mit in den Unterricht und an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben wollen.